Das menschliche Ohr

Von Amboss bis Steigbügel.


 

Wir verstehen die Welt, indem wir hören. Wir werden Teil dieser Welt und des menschlichen Zusammenlebens, weil wir verstehen. Gutes Hören entfaltet unsere Lebensqualität. Deshalb ist es so wichtig, den Hörsinn zu erhalten, auch wenn unser Hörvermögen mit den Jahren nachlässt.

Das Ohr unterteilt man in drei Bereiche: Das äußere Ohr, das Mittelohr und das Innenohr. Das äußere Ohr dient als Schalltrichter, welcher durch die Ohrmuschel Klänge in Form von Schallwellen auffängt und diese durch den Gehörgang an das Trommelfell weiterleitet. Dieses beginnt zu schwingen und bewegt die drei verketteten Gehörknöchelchen: Hammer, Amboss und Steigbügel. Im Innenohr  werden die Luftschwingungen  in mechanische

Leonhardt Akustik - Das OhrBild: Wikipedia

  Bewegungen umgewandelt und zur Hörschnecke, der Cochlea, weitergeleitet. Die Cochlea ist das eigentliche Hörorgan. Diese ist mit Flüssigkeit gefüllt und in ihr befinden sich tausende von Haarzellen, die mit den Fasern des Hörnervs verbunden sind. In diesem sehr kleinen und komplexen Organ wird die beinhaltete Flüssigkeit in Schwingung versetzt, die je nach Wellenlänge bestimmte Haarsinneszellen bewegt. Diese Haarzellen reagieren unterschiedlich stark auf Frequenz und Intensität eines Tones. Daraufhin senden Sie feine elektrische Impulse über Nervenbahnen direkt ins Gehirn.

In den entsprechenden Bereichen des Gehirns werden diese Impulse entschlüsselt und interpretiert. Das Gehörte wird verstanden und beispielsweise als Sprache, Telefonklingeln, Wind, Vogelgezwitscher oder Musik zugeordnet. Dabei werden nicht nur Verständnis und Reaktionen, sondern auch Emotionen ausgelöst.

Normalhörende können alles hören, vom leisen Flüstern des Windes bis zum lauten Abheben eines Düsenflugzeugs. Ein gesundes Gehör warnt uns vor Gefahren. Zum Beispiel erhalten wir von unseren Ohren wichtige Informationen über die Position und Geschwindigkeit eines Autos, welches auf uns zufährt.

Ist unsere Hörfähigkeit intakt, können wir auch selektiv hören. So ist es uns auf einer lauten Party problemlos möglich, uns auf ein Gespräch in einer Gruppe zu konzentrieren, ohne ein Wort zu verpassen. Wir können die Harmonie eines Streichquartetts genießen und uns gleichzeitig über den Klang der Stimme einer anderen Person freuen.

Das Gehör ist bereits im Mutterleib voll entwickelt und hört. Der Hörsinn ist der einzige Sinn, der rund um die Uhr und pausenlos im Einsatz ist. Eine wichtige Aufgabe erfüllt er gleich am Anfang unseres Lebens: Er hilft uns, Sprache zu hören, zu verstehen und zu entwickeln. Von Beginn an versorgt uns das Ohr laufend mit wichtigen Informationen und macht Gefühle möglich: Kinderlachen, Musik oder eine liebevolle Bemerkung lösen ebenso Emotionen aus wie eine Filmszene, die erst durch dramatische Musik richtig spannend wird. Der Hörsinn lässt uns Gefahren erkennen. Selbst im Schlaf werden wir durch fremde oder wichtige Geräusche gewarnt. Ob Feuermelder oder ein weinendes Kind – wir reagieren sofort.


Weil unser Hörsinn so wertvoll, einzigartig und wunderbar ist,
sollten wir ihn unbedingt schützen.


Ein gesundes Gehör nimmt den gesamten Bereich, von den tiefen Tönen (Kontrabass, Straßenverkehr) bis hin zu den hohen Tönen (Geige, Vogelgezwitscher), wahr. Physikalisch ausgedrückt liegt der Hörbereich zwischen 20 Hertz und etwa 20 000 Hertz. Es kann außerdem sehr leise Geräusche (Summen einer Mücke) bis zu sehr lauten Geräuschen (Start eines Düsenjets) verarbeiten, also Lautstärken von 0 bis 120 Dezibel.

Der Hörsinn ist Spezialist in Sachen Sprache, die er in all ihren Facetten und in jeder Situation besonders gut wahrnimmt. Ob im Café, am Telefon oder bei einem Vortrag – unser Hörsinn blendet aus einer Flut von Tönen Unwichtiges aus und hebt Wichtiges hervor. Dadurch können wir zum Beispiel einem einzelnen Instrument im Orchester folgen oder uns in lauter Umgebung auf eine Person konzentrieren.

Ein Organ, das pausenlos im Einsatz ist, verliert früher oder später seine Leistungsfähigkeit. Es sind Zeitspannen von Jahren oder Jahrzehnten, in denen das Hörvermögen langsam nachlässt. Die Anfänge werden häufig nicht bemerkt, denn die gewohnten Höreindrücke bleiben scheinbar unverändert. Jedoch nimmt das Sprachverstehen in geräuschvollen Situationen bereits langsam ab.

Unsere Ohren hören 360° – in jedem Winkel um den Kopf herum. Sie unterscheiden vorne und hinten, oben und unten. Dadurch erkennen wir, aus welcher Richtung ein Geräusch oder Sprache kommt, wie groß ein umgebender Raum ist und ob ein Hindernis in der Nähe ist.

 

 

 

 

     

 

Facebook YouTube